Research, Prevention and Reconstruction of Criminal Acts in the Context of Inheritance and Will Fraud.
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Kurz gefasst
Unsere Definition
Erfolgreiche Erbschleicherei bewirkt den Geldfluss vom Erblasser an den Erbschleicher. Das Geld mag sowohl vor als auch erst nach dem Tod des Erblassers zum Erbschleicher fliessen. Dabei täuscht und/oder manipuliert der Erbschleicher den Erblasser eigens oder mittels eingesetztem falschen Freund. Weil Erbschleicherei eine geplante Tat ist, ist sie präventiv unterbindbar und retrospektiv rekonstruierbar.
Sachlage und Risiko
In der Schweiz
sterben täglich zirka 30 Millionäre. Im Schweizerischen Erbrecht klafft ein riesiges Leck von Betrugsmöglichkeiten. Das belebt die Phantasie mancher Ganoven: Ab welcher Summe manipuliert ein Mensch zu seinen Gunsten? Und wie maximiert er dabei seinen voraussichtlichen Gewinn? 
Das Risiko von finanziellem Betrug wird besonders gut sichtbar mit der Zunahme von Demenz und der rechtlichen Auslegung der Urteilsfähigkeit. Aber auch jüngere Vermögende sind Zielpersonen von Erbschleichern. Bei Erbschleicherei geht es um Leben und Tod, und um Millionenbeträge.
Jackpot
Jede 1 Minute werden CHF 100’000 vererbt + alle 6 Minuten verstirbt ein Mensch = Erbe erschleichen ist lukrativer als Lotto spielen. – Wir sprechen offen darüber. Damit befreien wir das Tabu von der Scham. Der Fokus ist neu auf die Täterschaft gerichtet: Erbschleicherei ist eine skrupellos geplante Tat. Sie wird meist ausgeübt von nahestehenden Menschen aus dem Freundeskreis, aus der Familie oder vom Ehepartner.
Prävention

Im Jahr 2016 wird die Schweizerische Vereinigung gegen Erbschleicherei (SVgE) gegründet. Sie will das Interesse für diese Betrugsart auf politischer Ebene wecken. Weil Erbschleicherei Struktur aufweist, ist sie präventiv unterbindbar und retrospektiv rekonstruierbar. Die SVgE definiert Indizien und typische Tatmuster.
Damit wird eine Tat messbar. Anhand der ihr zugetragenen Indizien schätzt die SVgE den Stand des aktuellen Treibens ein.
Öffentlichkeitsarbeit
Im Oktober 2018 durfte die SVgE für das Koreanische Justizministerium vor internationalem Publikum die Thematik präsentieren. Die SVgE sensibilisiert bei und für öffentliche Institute und juristische Personen. Ebenso unterstützt sie Private die Tat zu erkennen und bedacht dagegen vorzugehen (→ Services).

Einige Fallbeispiele

Eine Frau heiratet siebenmal. Ihre Männer sterben ihr davon und hinterlassen ihr eindrückliche Vermögen und Lebensversicherungen.
Beobachtung
Chisako Kakehi lernte ihre alten oder kranken Männer auf Datingportalen kennen, auf denen sie gezielt nach kinderlosen, reichen Männern suchte. Quellen: tagi.ch; japantimes.co.jp
Die Taten erinnern an die österreichische Serienmörderin Elfriede Blauensteiner von 1996.
Die Taten erinnern an die amerikanische Patricia James (Broward/FL), von 1987.
Die Taten erinnern an eine zwölffache Serienmörderin aus Poitiers, Frankreich, von 1952.
Auftragsmord aus Geldgier am Vater zeigte sich im Sommer 2015 in Arboga (SE).

Das Personalreglement eines öffentlichen Hospitals verbietet den Angestellten die Annahme von Patientenvermögen; aus gutem Grunde.
(Spitalpersonal soll Kranke gleich behandeln, den Fokus auf die Arbeit und nicht auf Erbspekulation setzen. Um mehr zu erben, verkäme ein Spital mit Erbspekulation schlimmstenfalls – in Kombination mit ein, zwei Tricks – zu einer profitablen „Erlösungsstätte“. Und dem ist ausnahmslos vorzubeugen!)
Dennoch wird eine Krankenschwester Alleinerbin ihres Patienten.
Beobachtung
Die Annahme des Patientenerbes verstösst gegen den Arbeitsvertrag.
Der SVgE liegen ausreichend Indizien von Erbschleicherei vor, weshalb sie ihre fachspezische Analyse empfiehlt. – Auf unsere Geste wird nicht eingetreten. 
Quelle: SVgE

„Schatz ich bin eine Frau, der die Heirat so wichtig ist. So lass uns doch zumindest als Show in Las Vegas in der Wedding Chapel heiraten, damit wir den schönsten Tag des Lebens dennoch gemeinsam erleben und ich mich wenigstens verheiratet fühlen kann.“
(Die beschriebene Situation taxieren wir nicht per se als Erbschleicherei.)
Beobachtungen
• Rechtswirksam heiraten kann man auf der ganzen Welt; so auch in Las Vegas. Das ist der Normalfall. Gültig ist die Hochzeit auch dann, wenn sie im eigenen Heimatland nicht eingetragen wurde. Zur Aufhebung bedarf es der Ehescheidung! Las Vegas ist nicht Disney Land.
• In Las Vegas wird eine reine Spasshochzeitszeremonie angeboten. Informieren Sie sich im Voraus und lassen Sie sich die Rechtsungültigkeit vom Anbieter präventiv mehrfach schriftlich verbindlich bestätigen!
Quelle: SvgE

Der Bruder des Verstorbenen kümmert sich um die Witwe und Erbschleicherin, welche ihrem Schwager versprochen habe, sich bei dessen Tode ebenso um seine Ehefrau zu sorgen (und sich nochmals zu bereichern).
Beobachtung
An der Urnenbeisetzung – und innerhalb des „engsten Familienkreises“ – schmiegt sich eine Unbekannte angeblich selbstlos und aus reiner christlichen Nächstenliebe trostvoll an die Witwe, als sei sie ihre beste Freundin. Im Vorfeld sorgte diese Soziopathin mit übler Nachrede dafür, dass jene Leute nicht zur Trauerfeier eingeladen werden, die sie verraten könnten. Der SVgE ist ihr Treiben bekannt und sie stört die Unbekannte bei ihrer Arbeit. Quelle: SvgE

Um eine ältere Dame, vermögend und einsam, kümmert sich neu ihre Nachbarin. Sie erhält die Vorsorgevollmacht. In den darauf folgenden beiden Jahren erleichtert sich das Konto der ersten unerklärlich um CHF 1.8 Mio. Quelle: SVgE
Fragen
• Erkannte Papa Staat die Lage noch nicht oder profitieren die Mitglieder der Legislative selbst von der Situation?
• Mit welchem Trick gelingt der Nachbarin, dass ihr Treiben ewiglich unerkannt bleibt?

Witwe Berner vertraute ihrem langjährigen Freund und Anwalt Rappolt (Verfassungs-, Alt-Kantonsrat und Ehrenpräsident einer Zunft) anno 2008 CHF 12 Mio. ihres verstorbene Ehemanns an, welches ihr Rappold veruntreute. Zwei Tage nach Anzeigeeinreichung beging Rappold Selbstmord. Nachdem sich der Verdacht über ein selbstständiges Einziehungsverfahren erhärtete, sicherte ihr die Zürcher Justiz CHF 7 Mio.; Verlust CHF 5 Mio. bzw. 40%. Quelle: Tages-Anzeiger
Bemerkung
Die Tat wurde als
Wirtschaftsdelikt geahndet. Da es sich um das Vermögen des verstorbenen Ehemann Berner handelt, könnte dieser Fall der Erbschleicherei zugeordnet werden. Die Tat der Erbschleicherei würde untermauert durch den Fakt, dass Rappold sich am Vermögen vieler seiner Klienten mit geringerer Lebenserwartung bediente.

Ein seriöser alter Herr erstellt seiner Manier getreu ein wohlüberlegtes Testament. Sein langjähriger Notar erbt all sein Vermögen von über einer Million CHF.
Beobachtung
• Im Testament werden diverse Begünstigte aufgeführt. Eine zum sonstigen Testamenttext abweichende Ergänzung macht den Notar und Testamenthüter zum Alleinerben. 
Quelle: SvgE

Als die Kellnerin ihre Stelle verliert, bietet ihr ein 80-jähriger Stammgast an, bei ihm als Putzfrau zu arbeiten. Sie nimmt seine ehrwürdige Geste an und überzeugt ihn, sein Mehrfamilienhaus Haus zu verkaufen. Sie bedient sich mit 50‘000 € von seinem Bankkonto und wird in seinem Testament als einzige Erbin genannt.
Beobachtung
• Jemand beobachtet dieses Treiben, stört sich daran und informiert anonym den Sohn des potenziellen Erblassers
.

Stamford (USA), 2006: Ein Mann gesteht seiner Frau seinen sexuellen Seitensprung. Wenig später stirbt der Mann an den Folgen schwerster Verbrennungen.
Beobachtung
• Laut Anklage habe die Frau in Selbstjustiz gehandelt, den Mann bei lebendigem Leibe verbrennen und sich die Gelder der Lebensversicherung von USD 300’000 sichern wollen. / Laut Verteidigung habe der Mann Suizid begangen.

Der vorzeitig isolierte aber effektiv stärkste Kontakt zum soeben verstorbenen Erblasser kann Giftmord nicht ausschliessen.
Beobachtung
• Die Erbschleicher reden einem schwächeren Kontakt das Vorhaben einer Obduktion aus, indem sie ihm die Massnahmen am Leichnam bildlich darstellen.
• Der Zeitpunkt der Kremation wird vorverschoben. Dabei werden teilweise religiöse Gründe herangezogen. 
Quelle: SvgE

Die Erbschleicherin gaukelt der Amtsperson tiefen seelischen Schmerz vor, den sie durch den Tod des Erblassers verspüre. Im Glauben ihr einen Gefallen zu tun, versucht zweite diese aufzuheitern und „ausnahmsweise“ gegen gesetzliche Vorhaben verstossen. Sture Amtspersonen zeigen sich plötzlich flexibel und sehen darin auch für den Staat Vorteile.
Beobachtung
• Die Erbschleicherin spielt ihr Leiden vor in der Absicht, eine sonst exakt arbeitende Amtsperson zu einem Fehler zu bewegen. Wenn das auskommt, fürchtet sie um ihr Ansehen und sie und ihre vorgesetzten Politiker werden eisern schweigen. – Der Staat ist unantastbar.
• Die Geschädigten sollen nun ihre Vorwürfe gegen die Amtsperson beweisen. Es ist für die
Autorität ein leichtes, ihnen Gier vorzuwerfen und damit von eigenen Fehlern abzulenken. Mit solchem Verhalten und mit ihrer Passivität begünstigt sie Erbschleicherei massgebend. Quelle: SvgE

Drei von vier Kindern reden auf ihren dementen Vater ein, mit dessen Kapital und Landbesitz eine Firma zu gründen, die sie leiten würden. Als der Vater stirbt, ist kein Vermögen mehr vorhanden, sodass sich das vierte Kind mit einem fahruntauglichen Personenwagen als Erbe begnügen muss.
Beobachtung
• Das vierte Kind war überrascht.
Den anderen drei Kindern blieb auch nicht mehr zu erben übrig. Aber sie hatten zumindest eine leitenden Position in der gegründeten Firma inne. 
Quelle: SvgE

Die Willensvollstreckerin (Bank) glaubt der Träne der Witwe und bevorteiligt sie – auch in der Hoffnung, sie möge der Bank treu bleiben.
Beobachtung
• Die Willensvollstreckerin deklariert gegenüber den Miterben die Konti der Witwe nicht. Ebenso verschweigt sie den Tresor und andere Erbgüter.
• Kurz nach Anzeigeerstattung wird das langjährige Arbeitsverhältnis der Anzeigeerstatterin gekündigt.
Die zuständigen Beamten treten nicht auf die ihrerseits
als „Schreiben“ kaschierte Anzeige ein. Quelle: SvgE

Der langjährig vertraute Notar (oder die selbstlos pflegende Nachbarin, Pfarrer, Sozialarbeiter) wird Alleinerbe über die gesamte frei verfügbare Quote. Trotz seiner treuen Dienste rechnete damit kein Verwandter des Erblassers.
Beobachtung
Der Notar weist dem Gericht auf Milchpapier eine ärztliche Bescheinigung über den Gesundheitszustand des Verstorbenen vor; ein Zweizeiler den der Arzt vor Gericht als nicht sein Schriftstück bezeichnet. Quelle: SvgE

Ein alter vermögender Mann heiratet eine junge Frau. Wenig später stirbt er und sie übernimmt all sein Vermögen.
Mögliche Begleiteffekte
• Die Frau verleumdet Familienmitglieder ihres Gatten (Ablenkung von sich); Sie stellt sich als „die Gute“ dar.
• Sie unterbindet Telefonanrufe, kontrolliert E-Mails, Briefpost, etc.
• Sie spricht Hausverbote aus (Isolation, Enterbungsbegehren).
• Sie wechselt seinen Hausarzt und nimmt Einfluss. Quelle: SVgE

Ein ausländischer Zahnarzt heiratet eine inländische Frau. Sie haben ein gemeinsames Kind. Nach einer Weile fühlt sich der Mann wieder mehr von seiner ursprünglichen Kultur angezogen, wandert heim und heiratet eine Landesgenossin, ohne sich von seiner ersten Frau scheiden zu lassen. Bald verstirbt er Alters halber.
Beobachtung
• Der Mann war nicht rechtens doppelt verheiratet. Die Bank transferierte das Geld des Erblassers vertrauensvoll ins Ausland. Die spätere Ehe muss annulliert und das Geld an die erste Ehefrau zurück erstattet werden. Das Geld versickere inzwischen.

Eine junge Frau umgarnt einen alternden Herrn, der ihr schlussendlich sein ganzes Vermögen anvertraut.
Beobachtung
• Kurz darauf ist der Herr verschuldet und erbittet das Sozialamt um monetäre Unterstützung. Quelle: SvgE

Südamerika anno 1965. Priester beabsichtigen, Paulo zum Priester auszubilden. Sie nehmen ihn mit, um systematisch die vermögendsten Einwohner vor der Hölle abzuschrecken, sie wohl zu stimmen und sie von ihren Sünden zu befreien. Sie empfehlen ihnen, ihr Vermögen der Kirche zu übertragen, welches sie unter den Armen zu verteilen vorgibt.
Beobachtung
• Bald darauf geht Paulo einem anderen Beruf nach. 
Quelle: SvgE

Schweiz anno 1951. Die Uneinigkeit zweier Brüder in einer Erbangelegenheit verleitete diese zu einem Streit.
Beobachtung
Der eine informierte die öffentliche Vormundschaftsbehörde über Alkoholprobleme seines Bruders. Darauf brachten zwei Polizisten
den Denunzierten zur Einvernahme und gleichentags in die psychiatrische Klinik. Quelle: Historikerin Tanja Rietmann et al, Fürsorgerische Zwangsmassnahmen. 2017

Da Erbschleicherei nicht strafbar ist, wurden die damit in Zusammenhang stehenden Offizialdelikte zur Anzeige gebracht. Die Staatsanwaltschaft verfügt Nichtanhandnahme über drei Anzeigen, in welchen eine Vielzahl von Offizialdelikten angezeigt werden. Quelle: SVgE
Beobachtung
Statt die Offizialdelikte zu ahnden, wird der Anzeigeerstatter in die unglückliche Spirale der Ignoranz, Observation, Diffamation, Vertuschung und Verjährung hineingezogen Das kann jedem passieren.
• Offizialdelikte sind von Amtes wegen zu ahnden. Das revidierten Bundesgerichtsurteil 6G_2/2015 weist das Obergericht auf deren „formellen“ Fehler hin, auf angezeigte Offizialdelikte nicht einzutreten.
• In einem anderen Fall (6B_1198/2014) verfügt die Staatsanwaltschaft ebenfalls eine Nichtanhandnahmeverfügung. Das Bundesgericht weist darauf hin, dass die Einreichung einer Strafanzeige ein höchst persönliches Recht ist. So auch innerhalb einer Erbengemeinschaft. Quelle: SVgE / Transparenz

Am Sterbebett eines vermögenden, vorher isolierten Menschen erscheint eine falsche Freundin mit Notar, welche zusammen in letzter Minute das Testament erstellen und dessen rechtliche Korrektheit beglaubigen. Quelle: SVgE


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