Kulturelle Eigenheiten

The Show must go on: Modezar Lagerfeld gebe sein Erbe von 800 Millionen Euro erst frei, wenn seine Katze Choupette verstorben sei. Quelle: Blick, 2020

Haftpflicht: (New York, 2019) Ein vermeintliches Vergewaltigungsopfer des inzwischen auf unnatürliche Weise verstorbenen Multimillionärs Jeffrey Epstein reicht Schadenersatzklage gegen dessen Erben ein. Quelle: Tages-Anzeiger. 2019

Gleichstellung der Geschlechter: In Tunesien gilt der Koran als Quelle der Rechtssprechung und die besagt, dass die Frau, auch wenn sie mit dem Erblasser genauso verwandt ist wie der Mann, nur halb so viel erbt.
In Oberägypten oder Algerien sind Frauen von Erbschaften ausgeschlossen.
In Marokko zwingt der taasib Frauen ohne Brüder dazu, ihren Erbteil mit anderen männlichen Verwandten zu teilen.
In Jordanien stehen alle Frauen, auch Christinnen, unter massivem sozialen Druck, auf ihr Erbteil zu verzichten.
Laut Historikerin Sophie Bessis sei es möglich, von der Scharia abzuweichen. Allerdings gehe es bei Erbangelegenheiten um den Fortbestand der patriarchalen Ordnung. Quelle: Le Monde Diplomatique. 2019

Business as usual: In den USA kaufen Unternehmen Schwerkranken ihre Lebensversicherung ab. Sie bezahlen den Versicherten zu Lebzeiten einen Teil derer Ersparnisse zurück, welches sie oft zur Bewältigung ihrer horrenden Gesundheitskosten benötigen (Zwangslage). Beim Versterben ihres Geschäftspartners erhalten sie von dessen Versicherung das ganze Ersparte ausbezahlt. Auf diese Weise schenken sie den Leidenden Hoffnung und bringen sich in den Kreis der Erben ein. Die jährliche Wachstumsrate eines gewissen Konzerns betrug in diesem Bereich durchschnittlich 34%! Andernorts schützt der Staat seine Bürger mit Gesetzen vor solchen Spekulanten. Quelle: Le monde diplomatique, 2019 | Life Settlement Industry Report 2018
Eine andere Quelle besagt, in den USA schliessen Firmen für Ihre Angestellten Lebensversicherungen ab, von denen die Firma profitiert, sollte der Mitarbeiter versterben.
Dafür sind in den USA Elder Financial Abuse und undue influence strafbar. Hierzulande werden solche Risiken nicht diskutiert; geschweige denn ist die Tat strafbar. In diesem Schatten vermag ein dunkles Geschäftsmodell aufblühen.
Quelle: Beobachter, 2019.

Staat oder Wirtschaft: Guo Wangui sagt, die Partei habe die Unternehmer jahrelang gewähren lassen, um die Wirtschaft aufzubauen. Nun wolle sie die wieder loswerden, weil sie Angst vor ihrem Einfluss hätte. Er und andere Quellen berichten, dass in seiner Heimat Millionäre und Milliardäre spurlos verschwinden. 2017

Aufgabe des Staats: In gewissen Ländern werden jährlich hunderte Frauen vergewaltigt. Einerseits zeigen Frauen die Taten oft nicht an, um sich keiner Beschämung oder Bestrafung auszusetzen. Manchmal werden sie vom Vergewaltiger geehelicht, um das Ansehen beider Familien zu wahren. Andererseits bedarf es in solchen Gefilden klare Grenzen (Gesetzesrevisionen), um die Tat auf den Täter zu fokussieren, den angerichteten Schaden zu korrigieren und um Wiederholungen präventiv abzuwenden. / Ohne derartige Selbstreflexion entstehen unüberschaubare Verhaltensmuster, die jeden treffen können. Quelle: Menschenrechtskommission/SVgE

Privileg: Das Bürgerliche Gesetzbuch der Niederlanden (Buch 4, Titel 4, Absatz 2) erlaubt faktisch nur Anwälten, ihre Kunden zu beerben. Ausnahme: Es rufe jemand die Vernichtung des Testaments auf.

Adel: Nach Adelsrecht erbe der älteste Sohn den Adelstitel, das meiste Vermögen und die Pflicht, das historische Erbe für zukünftige Generationen zu erhalten. In Deutschland geht es aktuell um das ursprüngliche Erbe von Otto von Bismark († 1898) im Betrag von geschätzten 500 Mio. Euro. Quelle: Bunte. 2019

Haltung: In der Schweiz verjährt (juristisch) eine Mordtat nach 30 Jahren. Die Akten werden vernichtet. Von einem Cold-Case-Management werde aus Kostengründen abgesehen. Der Bundesrat beruft sich “auf das Recht auf Vergebung und Vergessen und auf die heilende Wirkung des Zeitablaufs”.    Quelle: NZZ am Sonntag, 2019

Zirkel: Skull & Bones wurde 1832 als Studentenverbindung an der Universität Yale gegründet. Sie verwendet geheime Symbole wie z.B. die Zahl 322, ein Schädel oder die achte Stunde. Sie vereint sie reiche und prominente Familien. Einige führende Vertreter in Politik und Wirtschaft sind ihr angehörig.

Hexerei: Die vermögende Agatha Studler aus Zürich stellte den absoluten Herrschaftsanspruch von Klerus und Patriziat infrage. Sie wurde 1546 wegen Hexerei verurteilt und in der Limmat ertränkt. Ihr riesiges Vermögen fiel grösstenteils an die Stadt Zürich.  Quelle: Otto Sigg. 2012

Ablasshandel: Laut Will Durant verfügte Papst Alexander der Dritte im Jahre 1170, es soll kein Testament gültig sein, welches nicht unter Beisein eines Priesters abgefasst wurde. In ihrer Angst vor dem Fegefeuer und vor ewiger Verdammung kaufte sich noch mancher in letzter Minute von seinen Sünden frei. Der Ablasshandel nahm ein groteskes Ausmass an. Mit seinen 95 Thesen stellte sich Martin Luther anno 1517 direkt gegen den Ablasshandel. In Zürich äusserte Ulrich Zwingli sich anno 1523 mit eigenen 67 Thesen zu Unstimmigkeiten der Zeit. Es bedarf kaum vorstellbaren Mutes, die Handlungen der Kirche und ihrer Vertreter damals öffentlich zu hinterfragen, denn Kritiker wussten über die mögliche Vielfalt grausamer Strafen Bescheid. Seit 1562 ist der Ablasshandel verboten.

Sekte: Aus dem Judentum geht das Christentum hervor, welches als Sekte des Judentums bezeichnet werden darf. Aus der orthodoxen Kirche erwächst anno 1054 (Morgenländisches Schisma) der katholische Zweig. Zur Zeit von 1378 – 1417 rangen zwei bis drei Päpste gleichzeitig um ihren alleinigen Machtstatus. Anno 1517 eröffnete Martin Luther mit Veröffentlichung seiner 95 Thesen die Reformation.

Wikinger: In dieser Kultur gilt eine aufwendige Bestattung als höchste erreichbare Ehre. / Da Wikinger nicht schreiben konnten, liessen sie gefangene christliche Prediger ihre ihre Heltdentaten notieren, welche daraus zu eigenen Gunsten Spass trieben.

Religionen:
> Er hörte aber die Reden der Söhne Labans, die sagten: Jakob hat alles genommen, was unserem Vater gehört; und mit dem, was unserem Vater gehört, hat er sich all diesen Reichtum verschafft! Quelle: Bibel, 1. Mose 31,1
> Der
Koran erwähnt Erbschleicherei nicht spezifisch. Es gilt jedoch im Allgemeinen als Sünde, wenn jemand sich auf betrügerische Art das Vermögen eines anderen aneignet. Quelle: islam.ch – Team

Wir danken für Ihre Orientierung an uns zu Erbschleicherei in anderen Religionen und Kulturen.

Legende: Um das Jahr 600 n.Chr. schenkte Urso dem heiligen Fridolin grosse Ländereien. In der Folge bekehrt Fridolin die Bevölkerung des Glarnerlands zum Christentum.
• Nach Urso‘s Tod wollte dessen Bruder Landolf Fridolin das geschenkte Land streitig machen. Kurzum erweckte Fridolin Urso wieder zum Leben und bezeugte so dessen Willen. Mit diesem Beweis überzeugte Fridolin die Glarner. Darauf schenkte Landolf Fridolin auch noch seinen Teil des Glarnerlandes. (Quelle: SRF, 2013)
• Zu dieser Zeit konkurrierten sich Gemische weltlicher Rechtsauffassung mit dem kanonischen Recht. (www.unibas.ch)
Die SVgE befasst sich nicht mit Legenden. Sie erfasst sachlich zeit aktuelle Fälle und untermauert diese mit handfesten Belegen.

Bronzezeit: Archäologische Befunde aus Österreich zur Epoche zwischen 2400 und 1700 v.Chr. ergaben, dass vermögende Familienkerne Status und materiellen Besitz ihren männlichen Nachkommen vererbten. Frauen zogen aus und heirateten andernorts – aber wohl innerhalb desselben Sippennetzwerks – in vergleichbaren Stand. Von ärmeren Menschen sind keine Familienstämme rekonstruierbar. Quelle: AAA-Science, 2019-10.

Indigene Völker Nordamerikas: Sie lebten ursprünglich als Nomaden. Ihr Erbgut passte in eine Tasche. Grundstücke blieben Allgemeingut. Beim Tauschhandel galt die Einheit Lachsrücken als Referenzwert; Zinsen kannten sie nicht. Sie erachteten die Krähe und den Hasen als listige Tiere. Quelle: Native Northern America Studies

Aphorismen:
Eine halbe Stunde gut erben ist besser als fünf Jahre arbeiten.
• Deines Reichtums wird sich ein Erbe bemächtigen.
(Horaz. 65 – 8 v. Chr.)
• Erbgut erbt bei der Schwertseite (Männersache; alter Rechtsgrundsatz)
• Erbe, die frohe Botschaft mit dünnem Trauerrand.
• Wer auf Schuhe zu erben hofft, muss barfuss laufen.
• Das „Neue Testament“ wird bevorzugt gegenüber dem „Alten Testament“.


Schweizerische Vereinigung gegen Erbschleicherei | Association suisse contre la captation d’héritage | Associatione svizzera contro la caccia all’eredità | Swiss Association against Inheritance Fraud